Politik – ein widerliches Thema

Politik – kaum ein Begriff ist kontroverser und wird mit mehr Missgunst betrachtet.

Der erste Satz in Wikipedia zur Begriffserklärung sagt:

Politik bezeichnet die Regelung der Angelegenheiten eines Gemeinwesens durch verbindliche Entscheidungen.[1]

[1] Dieter Fuchs/Edeltraud Roller: Politik. In: Dieter Fuchs/Edeltraud Roller (Hrsg.): Lexikon Politik. Hundert Grundbegriffe. Reclam, Stuttgart 2009, S. 205–209.

 

Die meisten verbinden hiermit auch in irgendeiner Form, aus einer Vielzahl an unterschiedlichen Erwartungen und Wünschen eine gemeinförderliche Lösung zu finden. Im Gegensatz zur Diktatur sollte es beispielsweise in einer Demokratie darum gehen, dass eine Vertretung gewählt wird, welche das versucht umzusetzen, was deren Wählerschaft vorher unterstützt hat. In der grauen Theorie sind dies ja gewählte Vertreter des Volkes.

In der Praxis verliert sich das Konzept zu schnell in Ränkespiele und Lobbyismus. Denn nur diejenigen, die sich genug Wähler verschaffen können, werden es an die Spitze des Systems schaffen. Und das ist am Ende nicht immer Sympathie, sondern schlichter Eigennutz.

So stehen wir nun seit Jahren an dem entmutigenden Punkt, dass selbstdarstellerische Pappnasen die Regierung bilden, um sich dann wie Kleinkinder zankend einem Kasperletheater hingeben, das mit ernst gemeinter Vertretung der Interessen des Volkes so viel zu tun hat, wie ein Stück Toastbrot den Kreisumfang eines Quadrates berechnen kann.

Doch machen wir uns nichts vor – auch wenn die Demokratie in ihren Grundzügen alles andere als perfekt ist, so ist sie doch zumindest überlebensfähig, was man von vielen anderen Regierungsformen nicht behaupten kann. Sie ist nicht perfekt – aber bisher die bestmögliche Regierungsform, die uns in den Sinn gekommen ist.

Kommunismus ist in seiner bloßen Theorie eine ganz tolle Sache, benötigt aber gewissenhafte Köpfe an ihrer Spitze, was aufgrund der vorher benannten „Pappnasen“ ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Über Diktaturen und Königreiche möchte ich gar nicht erst sprechen – hier geht es ja eigentlich nur darum, wer den Längsten hat (Panzer, Waffenarm, Stammbaum…). Dies ist ein Mittel der Unterdrückung, keine wirkliche Regierungsform.

Eine Regierung sollte schon gewählt sein. Doch hier liegt die Tücke. Was, wenn nur Pappnase A oder Pappnase B zur Wahl stehen? Ist das dann noch eine Wahl, oder eine reine Farce?

Doch warum gibt es nur Parteien, die sich so sehr ähneln und am Ende die Wahlmöglichkeit reine Illusion ist? Ist eine Wahl, bei der man sich nur für die Art des Übels entscheidet, überhaupt noch eine Wahl? Könnte man dann nicht einfach würfeln?

Nicht zu wählen erscheint für viele eine Art stiller Protest zu sein. Doch – wenn diejenigen, die noch ein Funken Anstand und Würde im Herzen haben, nicht mehr wählen gehen, wer geht dann noch? Lobbyisten … und die bestimmen dann sehr gut kalkuliert, wo es hingeht. Das wollen wir doch auch nicht, oder? Am Ende wünschen wir – das normale Volk – doch auch mal ernst genommen zu werden. Wir möchten, dass unsere Interessen vertreten werden. Aber was sind überhaupt noch unsere Interessen? Angst? Wut? Enttäuschung?

Das sind eher Gefühle. Und bei diesen kann man uns wunderbar einfangen. Sei es ein Adolf, sei es nun eine AfD, sie alle ergötzen sich an unserer Enttäuschung und erzählen uns genau das, was wir gerne hören würden. Sie benutzen unsere Ängste, um sich – ratet mal – auch wieder nur eigennützig an die Spitze zu katapultieren. Unsere Interessen sind da am Ende auch wieder nebensächlich.

Was bleibt als Alternative (nein, nicht „Alternative für Deutschland“)?

Warum erhebt sich niemand? Warum gibt es nur so wenige Parteien, die seit so vielen Jahren immer wieder nur den selben Mist produzieren?

Bist DU Mitglied einer Partei und würdest ein Regierungsamt übernehmen?

Ich glaube, wir alle haben schon so viele Filme gesehen, in denen gutherzige Menschen in der Politik korrumpiert wurden. Politik ist also ein schmutziges Geschäft, das den Menschen verdirbt? Oder denkt sich ein jeder Mensch mit einem Funken Gewissen:

„Ich möchte kein Land regieren. Diese viele Verantwortung – ich könnte dem gar nicht gerecht werden.“

Tja. Also … werden immer wieder Pappnasen regieren.

 

Ich könnte ja jetzt sagen, ich gründe selbst eine Partei, deren Hauptziel es ist, erst mal wieder Zusammenhalt und Frieden ins Land zu bringen, bevor wir irgendwas anderes tun – aber wer bin ich schon? Niemand würde mich wählen, niemand würde der Partei beitreten, weil ich zu unbedeutend bin. Daher – vergesst es einfach. Aber vielleicht braucht es mal Parteien, in denen ganz normale Menschen sitzen, die nicht auf alles eine gut konstruierte Antwort haben, sondern die einfach mal sagen:

„Das weiß ich nicht. Aber ich mache mich schlau. Wie ist eure Meinung und WARUM?“

 

Was uns doch wirklich fehlt, ist ein bisschen Konzept und Nächstenliebe. Wir nehmen Flüchtlinge aus Krisengebieten auf, weil es ganz klar moralisch richtig ist, aber ferchen sie dann in „Lager“. Dort holen wir sie aber nie ab. Wir reden hier von „Opfern aus Krisengebieten“. Sie kennen eventuell kein Gesetz, außer dem Prinzip, dass du besser zuerst schießt, um nicht selber erschossen zu werden. Menschenrechte gab es nicht. Das ist keine Rechtfertigung dafür, Mitleid mit einem der wenigen(!) Einwanderer zu haben, der eine Frau vergewaltigt und/oder tötet. Aber es erklärt, wie es überhaupt dazu kommen konnte.

Wir kennen unsere eigenen Prinzipien nicht mehr.
Auf der einen Seite sind wir ein Land der Freiheit und Rechtschaffenheit. Wir haben so viele Gesetze und ein Gesundheitswesen.

Doch in der Praxis sind wir doch völlig überfordert, wenn es darum geht, Minderheiten nicht zu Diskriminieren.

Schwul sein ist in Ordnung – aber irgendwie doch tabu?
Transidentität ist keine Krankheit – wird aber dennoch so behandelt?

Es gibt Millionen Gesetze, aber um sie wahrzunehmen, muss man einen Anwalt bezahlen, der gegen den Anwalt des Gegners nicht ankommt, da dieser zehn mal so viel Geld bekommt?

Das System sieht auf dem Papier super aus, kann aber auch wieder nur funktionieren, wenn die Menschen es auch unterstützen. Doch so wirklich „Recht“ haben wieder nur die mit der größten Brieftasche. Man bedenke, dass auch im 21. Jahrhundert ein Kapitalverbrechen immer noch härter bestraft wird als eine Misshandlung oder Mord.

Wir sollten also zunächst mal unsere Werte ordnen und auch danach handeln. Und in einer globalisierten Welt, in der jeder Winkel der Erde mit einem anderen Handel treibt, vermischt sich auch die Weltbevölkerung. Das müssen auch mal die hinterweltlerischsten Holzköpfe begreifen. Es kann nicht mehr „die Deutschen“ und „die Türken“ geben (willkürliche Beispiele!). Länder können nur noch lokale Verwaltungszellen sein. Es muss auch Moscheen in Deutschland und Kirchen in der Türkei geben. Weil jeder überall wohnt. Begreift das endlich!

Und jetzt ist Schluss mit Kreuzzügen!

Es gibt nicht mehr DIE Familie mit Papa, Mama und Kind(ern). Es gibt soziale Konstellationen. Und nichts davon ist schlecht. Wir müssen niemanden unterdrücken, nur damit das Leben funktioniert.

So wie ich als transidente Lesbe nichts gegen ein heterosexuell verheiratetes Pärchen mit Kindern habe, so sehr erwarte ich vollkommen selbstverständlich, dass mir derselbe Respekt entgegengebracht wird. Eine Identität, eine Orientierung oder eine Weltanschauung ist nicht ansteckend – es sei denn, ihr seid tatsächlich gar nicht sicher, dass eure bisherigen Überzeugungen richtig waren.

Erst wenn wir begreifen, dass die eiserne Jungfer aus der Nachbarschaft genauso ein ausgefülltes Leben führen kann, wie das Dreierpärchen, das regelmäßig in Clubs wilde BDSM-Sessions auslebt, und dass jedweder Lebensweg eine persönliche Entscheidung ist, die man achten kann.

Solange niemand gegen seinen Willen beteiligt wird oder zu Schaden kommt und alle Beteiligten erwachsen und mündig denkend sind, so sollte es niemand wagen, andere wegen ihrer persönlichen Einstellung zu verachten. Wir könnten hier und jetzt einfach mal endlich die Kurve kriegen und aller Angst und Feindlichkeit die rote Karte zeigen. Denn am Ende sind wir alle Menschen.

Statt „dazuzugehören“, was meist dem Anpassen an eine Erwartungshaltung entspricht, könnten wir auch einfach mal alle einmalig sein, und uns an der Einmaligkeit der anderen Menschen erfreuen. Dann gäbe es keinen Rassismus mehr, keine Fremdenfeindlichkeit und keine Diskriminierungen.

Anders ist gut und sollte gefördert und geschützt werden.
Eigentlich steht das ja schon im Grundgesetz. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Jede(r) hat das Recht auf persönliche Lebensgestaltung….. etc. pp.

Komisch, dass wir uns nicht mal an die ersten fünf Zeilen halten können, uns aber „ein Volk“ nennen.
Jetzt schämen wir uns ALLE mal, und dann machen wir weiter.

Gründet doch eine Partei. Davon kann man nicht genug haben. Aber seid dann bitte auch einmalig und ANDERS.

Gute Nacht

 

Rebecca

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