Vielfalt als Wirtschaftsfaktor

Inhalt:

  1. Ziele des Artikels
  2. Betrachtete Aspekte:
    – Religion
    – Wirtschaftsfaktor: Randgruppen
    – Wettbewerbsminderung
    – Persönliche Stärken nutzen
    – Antidiskriminierung ist wirtschaftlicher
  3. Fazit

 

1) Ziele des Artikels:

Dieser Artikel beschäftigt sich damit, aus empthieloser, rein wirtschaftlicher Perspektive die Förderung von Vielfalt zu begründen. Auch ohne menschliche und soziale Aspekte lässt sich bereits begründen, dass die Förderung von Vielfalt und der Abbau von Vorurteilen und Benachteiligungen gesellschaftliche und wirtschaftliche Vorteile bringt.

Dazu wird der Artikel verschiedene Themen beleuchten und ihren Nutzen oder ihr Hindernis für die Gesellschaft und Wirtschaft aufzeigen. Ziel ist es, die Menschlichkeit und Toleranz gegenüber allen Mitmenschen, auch denen, die von einer von Mehrheiten erhobenen Norm abweichen, am Ende für alle Beteiligten lohnenswert und Mehrwert schöpfend ist. Ich entschuldige in diesem Kontext, Menschen häufiger als Wirtschaftsfaktor und nach ihrem Wert für die Gesellschaft zu betrachten. Dies dient bewusst zur Veranschaulichung und blendet lediglich den empathischen Anteil aus. Persönlich erachte ich gerade die empathischen Aspekte als die wertvollsten, doch zu viele Menschen, die sich aus einer sicher entfernten Perspektive als nicht betroffen einstufen, können offenbar den sozialen und emotionalen Aspekten nicht folgen. Daher beschränkt sich dieser Artikel bewusst auf Wirtschaft und soziale Dynamik aus der Vogelperspektive.

2) Betrachtete Aspekte:

Religion

Nach meinem Wissensstand widerstrebt es jeder Göttlichkeit, deren Aspekt in einer Religion gefolgt wird, einen Beweis ihrer Existenz. Ein übergeordnetes Wesen mit unbegrenzter Macht ist für uns nicht stofflich und nicht in Gänze begreiflich. Ihr Nachweis bleibt offen und nicht greifbar. Daher stuft sich selbst so ziemlich jede Religion nicht als wissenschaftliche Tatsache, sondern als Glaube ein. Soweit aber kein Nachweis über den Willen und die Moral einer göttlichen Entität nachgewiesen werden kann, ist jedwede Glaubensschrift als Spekulation anzusehen. Viele Glaubensschriften sind Niederschriften von gewöhnlichen Menschen, die über Geschehnisse und Offenbarungen berichten. Beinahe niemals wird davon berichtet, Gott/Allah oder andere hätten der Person ganze Bücher diktiert. Es sind nicht die Worte eines Gottes, sondern eines Gläubigen, der seine Wahrnehmung von Tatsachen oder einer wagen Offenbarung niederschreibt. Dies erklärt auch, warum, historisch positioniert, Frauen grundsätzlich schlecht wegkommen. Es war damals normal und niemand konnte es sich anders vorstellen. Da alle aktuell populären Gottheiten nicht aktiv in das Weltgeschehen einschreiten, sondern eher ihrer Schöpfung ihren Lauf lassen und beobachten, muss davon ausgegangen werden, dass nicht jedes Verhalten legitim ist, nur weil es toleriert wird. Ebenso wenig, wie Raubkopieren legal ist, nur weil man jahrelang straffrei damit durchkommt.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass jegliche Schöpfungs- und Moraltheorien von Religionen von Menschen nachgefasst wurden, und somit davon ausgegangen werden muss, dass sie stark subjektiv geprägt wurden durch den Schreiber und seine persönlichen Ansichten. Wer heutzutage Nachrichten schaut, kann leicht bestätigen, dass Menschen emotionale Wesen sind und es ihnen systembedingt nicht möglich ist, wertfrei und objektiv zu berichten. Ein Skandal ist immer dann ein Skandal, wenn ihn jemand skandalös findet. Wo zu Zeiten der Kreuzzüge das Morden im Namen einer Religion etwas ganz normales war, ist es heutzutage verpönt, weil wir es anstößig finden. Heutige Medien würden es anders darstellen als damalige Barden und Ausrufer. Moral und die Wahrnehmung der Gerechtigkeit sind stetig im Wandel.
Somit darf und sollte Religion keinesfalls verboten werden (siehe fortfolgend im Rahmen weiterer Betrachtungen persönlicher Entfaltung), aber sie hat bei der Gestaltung von Gesetzen im Rahmen sozialen Miteinanders und einer weltumfassenden Wirtschaft nichts verloren. Sie muss jenseits davon stehen. Gesetze und gesellschaftliche Regeln sollten sich grundsätzlich darauf beschränken, Menschen soweit zu bändigen, dass sie imstande sind, miteinander Handel zu treiben und in einem Wirtschaftssystem zu funktionieren.

Wirtschaftsfaktor: Randgruppen

Das Definieren und künstliche Erschaffen von Randgruppen ist wirtschaftlich schlichtweg dumm. Aufgrund diverser Studien wissen wir zunächst einmal grundlegend, dass ein Mensch nur dann zufrieden und produktiv ist, wenn er sich wertvoll und sicher fühlt. Unsicherheiten, Ausgrenzungen und Anfeindungen fördern die psychische Instabilität eines Menschen. Instabilitäten können sich in vielen Formen äußern; Angstzuständen, Depressionen, Hoffnungslosigkeit und in einigen Fällen zu suizidalem Verhalten. Wie produktiv ist eine Person, die krank ist?

Ein gesunder, zufriedener Mensch ist voll arbeitsfähig. Somit kann diese Person problemlos 40 Stunden die Woche arbeiten gehen, davon Einkommen bestreiten und es wieder ausgeben für Unterkunft, Nahrung, schließlich auch Hobbys, Freizeit und Vergnügen. Eine kranke Person fällt leicht in eine Zustand, nicht arbeitsfähig zu sein. Diese Person kostet andere Geld, sei es durch Krankengeld, Aufwendungen für Behandlungen, Erwerbsminderung, Rente, Mehraufwand für Reparaturen und Therapien Beteiligter bei einem Suizidversuch. Wir können nur innerhalb unserer Möglichkeiten Krankheiten vorbeugen – eine Erkältung oder angeborene Erkrankung lässt sich nun mal nicht vermeiden -, doch in diesem Rahmen sollten wir nicht künstlich Krankheitszustände fördern. Es wäre wirtschaftlich dumm, die Arbeitskraft vieler Mitmenschen zu sabotieren. Wer nicht arbeitet, trägt nichts zur Wirtschaft bei, verdient nichts und kann auch wieder nichts ausgeben, womit er die Wirtschaft fördert. Jemanden „krank zu machen“ ist also kontraproduktiv.

Doch wir tun genau das Gegenteil. Wir pathologisieren die Andersartigkeit. Wir definieren eine Norm, dies es so nicht global geben kann, und tabuisieren jede Abweichung. Sei es die geschlechtliche Orientierung, die sexuelle Identität, das Aussehen, die ethnische Herkunft, die religiösen Ansichten, der messbare Anteil des Intellekts (Schulnoten, Lebensläufe) … wir unternehmen große Anstrengungen, die Gesellschaft zu normieren und stoßen somit alle aus, die nicht in die Schublade passen wollen. Damit beißen wir uns regelrecht ins eigene Fleisch. Wenn wir Menschen benachteiligen, fördern wir Nachteile für diese. Hieraus wiederum resultiert Wut, Krankheit, Angst und weitere bereits genannte Faktoren, die die Wirtschaftlichkeit der Betroffenen reduziert. Diesen Personen an den Kopf zu werfen, sie sollen sich „nicht so anstellen“, behebt keinerlei Probleme. Jeder Mensch kann sich eine gewisse Zeit anpassen und in der Masse abtauchen. Doch ewig kann niemand sein Ich verleugnen.
Im Endeffekt erreichen wir also … nichts. Eine eh schon produktive Menge fühlt sich besser, wird dadurch aber nicht noch produktiver. Eine nicht unerhebliche Zahl von „Andersartigen“ wird benachteiligt und verliert an Produktivität.

Wettbewerbsminderung

Pathologisierte Minderheiten sind kein relevanter Wirtschaftsfaktor mehr. An ihnen kann man nichts verdienen. Somit beschränkt sich die massive Kaufkraft auf die normalisierte Mehrheit. Diese hat vereinheitlichte Interessen. Es gibt also weniger Wirtschaftszweige und weniger, dafür massivere Nachfrage. Wenn viele Unternehmen im gleichen Sektor Wettbewerb betreiben, werden die größten Player siegen und die kleineren auffressen. Es bilden sich Monopole für Autos, Nadelstreifenanzüge und andere, hier willkürlich gewählte Anschauungsbeispiele. Eine vielfältige Branchenverteilung und viel Wandel wird es nicht geben, wenn die Kundschaft nicht vielfältig und im Wandel ist. Das ist eine sehr simple Dynamik. Werden nur grüne Autos gebraucht, werden auch nur grüne Autos produziert. Jeglicher Versuch, auch mal gelbe Autos anzubieten, wäre unwirtschaftlich und würde scheitern.

Erst durch Vielfalt in der Gesellschaft entstehen unendliche Sparten, Branchen und Interessen. Darauf reagierend wird es ganz viele unterschiedliche Branchen und Unternehmen geben. Die Wirtschaft verteilt sich mehr. Der hungernde Künstler hungert nicht mehr, weil seine Kunst Abnehmer hat. Das gelbe Auto wird ebenso verkauft wie das gelbe Auto der neuen Firma X, die gelbe Autos exklusiv mit grünen Punkten anbietet. Für fast alles gibt es eine Nachfrage. Großkonzerne werden seltener sein, weil nicht eine Firmenphilosophie und -herangehensweise alle Bedürfnisse abdecken kann. Es wird genug Kunden geben, die handgefertigte Produkte wünscht, wo Großkonzerne nur Massenfertigung im Angebot hätten. Es wird von allen Bevölkerungsschichten genug erwirtschaftet, um eine Kaufkraft darzustellen und bei vielfältiger Nachfrage wird es immer vielfältige Angebote geben. Wer also Vielfalt in der Gesellschaft unterstützt, sorgt im Endeffekt für mehr Wirtschaftlichkeit. Jeder, der nicht von anderen ernährt werden muss, kann selber etwas beitragen und das Einkommen wiederum in die Wirtschaft investieren. Jede soziale Abgabe, die nicht eine unproduktive Person mit finanzieren muss, kann gesenkt werden, und fördert die Kaufkraft derer, die arbeiten. Am Ende haben wir also einen viel natürlicheren, gesünderen Umlauf.
Diskriminierung ist wirtschaftsschädigend.

Persönliche Stärken nutzen

Eine normisierte Gesellschaft hat genormte Schul- und Bewertungssysteme. Jede Person, die nicht in den wenigen Bereichen, die aktiv gemessen werden, gut ist, fällt nach unten in den Bereich „mangelhaft“. Doch sind diese Menschen „mangelhaft“? Oder erfüllen sie einfach nur nicht ganz spezifische Normen? Wer nicht gut in Naturwissenschaften ist, kann dennoch in ganz anderen, dummerweise nicht betrachteten Bereichen, sehr gut sein. Doch wir „entwerten“ Menschen in einem Messsystem, das durch Scheuklappen auf die Welt schaut. Würden wir Menschen nicht abwerten, sondern genauer betrachten, welche eigentlichen Stärken diese haben, könnten diese der Wirtschaft viel nützlicher sein. Jeder körperlich und geistig einigermaßen gesunde Mensch kann arbeiten. Und jeder Beitrag ist wertvoll. Der sich als Elite empfindende Architekt ist nichts ohne die Handwerker, die das Bauwerk auch tatsächlich hinterher bauen. Sind diese weniger wert? Ist es notwendig, sie als minderwertig darzustellen? Hier wären wir wieder beim Thema Minderheiten und Diskriminierungen. Wer sich wertlos fühlt, ist nicht produktiv. Warum auch? Welchen Anreiz gäbe es, seine Arbeit mit besonderer Leidenschaft auszuführen, wenn es am Ende genauso desinteressiert bewertet würde wie der „Dienst nach Vorschrift“?

Antidiskriminierung ist wirtschaftlicher

Gibt es denn auch Gegenargumente zur Förderung der Vielfalt?
Von irrationalen, hier ja bewusst nicht betrachteten Aspekten, gibt es eigentlich keine vernünftigen Argumente gegen die Vielfalt. Ein vielfältiges System ist ein dynamisches System. Es wächst und wandelt sich täglich und arbeitet gegen eingesessene Prinzipien und veraltete Maßstäbe. Kein Unternehmer kann sich mehr auf dem Prinzip „das haben wir schon immer so gemacht“ ausruhen. Es wird ein Mitbewerber auf den Plan treten, der mit frischem Wind verdrängt. Überleben wird immer gerade das, was sich aktuell bewährt.
Wenn Mehrheiten Minderheiten diskriminieren, kann dies geahndet werden. Mehrheiten haben Geld und etwas zu verlieren. Sie zur Kasse zu bitten oder anderweitig zu rügen ist ertragreich. Aktuelle Minderheiten haben meist kaum eine Lobby oder finanzielle Mittel, sich zu wehren. Sonst hätten sie es längst getan. Sie zu stärken ist ertragreicher, als sie noch weiter zu benachteiligen. Das Sprichwort sagt nicht umsonst:
„Einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen“.

3) Fazit:

Eine vielfältige Wirtschaft ist gesünder, lebhafter und dynamischer. Alle würden unter dem Strich davon profitieren. Warum tun wir es also nicht? Weil wir emotional handeln. Weil wir sexistisch, rassistisch und missgünstig erzogen wurden. Weil wir unbedingt einer Elite angehören wollen, um auf andere herabzublicken. Doch es ist unlogisch und unproduktiv. Unternehmen dieser Welt – fördert Vielfalt. Es ist auch eure Zukunft und eure Chance. Politiker dieser Welt – fördert Vielfalt und helft, Diskriminierung vorzubeugen. Dies sind eure Wähler und dies sind eure Steuergelder, die verloren gehen.

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